Die Apachen-Rinderzüchter von San Carlos
Als im Westen der Vereinigten Staaten in den Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg Indianerreservate eingerichtet wurden, unternahm die US-Regierung große Anstrengungen, die Lebensart der Indianer in den Reservaten zu ändern. Die Bemühungen der Regierung hatten das Ziel, indianische Sitten und Gebräuche zu eliminieren und durch diejenigen der weißen Mehrheitsgesellschaft zu ersetzen. Außerdem sollten die Indianer in ihren Reservaten zu Selbstversorgern werden.
Im Falle der Apachen in der San Carlos Reservation im östlichen Zentral-Arizona gab es für viele Jahre jedoch kaum Fortschritte in Bezug auf dieses angestrebte Ziel.
Das Reservat wurde 1872 für verschiedene Indianergruppen, hauptsächlich Apachen, geschaffen. Es vergingen jedoch 50 Jahre, bevor organisierte Anstrengungen unternommen wurden, diese Indianer mit der Viehzucht vertraut zu machen, um auf diesem Weg endlich die von der Regierung angestrebte wirtschaftliche Selbstversorgung zu erreichen.
Da die Indianer im Reservat kaum noch die Möglichkeit hatten, ihren Lebensunterhalt durch Jagen und Sammeln zu bestreiten, sah sich die Regierung genötigt, Lebensmittelrationen, Kleidung und andere Dinge an die Reservatsbewohner auszugeben. Manche Indianer verzichteten auf die wöchentlichen Rindfleischrationen und nahmen stattdessen lieber lebende Rinder, um eigene Herden aufzubauen. Dieses System der Ausgabe von Lebensmittelrationen war der Startpunkt für die Rinderherden einiger Indianer in der San Carlos Reservation. 1878 gehörten den Indianern 521 Rinder und 760 Schafe.
1904 endete die Ausgabe von Lebensmittelrationen für die ganze Reservatsbevölkerung von San Carlos. Nur noch bedürftige Indianer, Mitglieder der Stammespolizei und Richter der Stammesgerichte erhielten weiterhin Rationen von der Regierung. Ab 1905 suchten die Apachen auch Arbeit außerhalb des Reservates. Innerhalb weniger Jahre fanden die meisten Indianer Saisonarbeit außerhalb von San Carlos.
Nach der Gefangennahme und Deportation von Geronimo und seinen Anhängern nach Florida 1886 endete der aktive und organisierte Widerstand der Apachen. Bereits vor dieser Zeit hatten weiße Rinderzüchter Ranches gegründet, trotz der ständigen Gefahr von Überfällen durch die Apachen. Jetzt da die Zeit der Überfälle vorbei war, explodierte das Rinderzucht-Geschäft förmlich im Osten und Südosten Arizonas und den angrenzenden Gebieten von Neu-Mexiko. Viele Unternehmungen waren sehr groß mit Tausenden von Rindern, die nach immer mehr Weideland riefen. Bald ließen weiße Rancher ihr Vieh einfach auf Indianerland grasen, ohne Pacht zu bezahlen. Die Situation wurde so schlimm, dass schließlich die Armee zu Hilfe gerufen werden musste, um die illegalen Rinder aus dem Reservat zu entfernen.
1908 kaufte die Regierung 500 Rinder von weißen Ranchern und verteilte sie zu jeweils 10 Stück an 50 Apachen. 1918 besaßen die Apachen von San Carlos 2.200 Rinder. 1927 besaßen 350 Indianerfamilien im Reservat 5.527 Rinder. 1932 wurden 16.000 Rinder im Reservat gezählt, 1937 33.000.

Die Einnahmen für die Apachen von San Carlos aus dem Verkauf von 12.024 Rindern betrugen 1960 1.563.922 $.
Zu Beginn des 21. Jh. ist die Rinderzucht in San Carlos die drittgrößte Geldquelle des Stammes, die durch den Verkauf von Rindfleisch jährlich 1 Million Dollar bringt.
Doch ⅓ des Reservates besteht aus Waldland. Die Holzwirtschaft ist daher eine weitere wichtige Einnahmequelle neben Bergbau und Tourismus.
Heute gibt es im Reservat drei Ranches im Besitz des Stammes, fünf Rinderzucht-Verbände, die Rinder von verschiedenen Besitzern (Brandzeichen) auf jeder Verbands-Ranch weiden, und zwei Ranches im Privatbesitz. Insgesamt weiden heute ca. 15.000 reinrassige und registrierte Hereford-Rinder auf extensiv genutztem Weideland im Reservat.