Die letzten Überlebenden der südlichen Büffelherde.
Als sich im Mai 1869 die Gleise der Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific in Utah begegneten, war die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung in den Vereinigten Staaten hergestellt.
Die Eisenbahn beschleunigte die Erschließung des Westens, weil sich die Besiedlung entlang des Schienenstranges schneller vollzog.
Eine der Folgen des Eisenbahnbaues durch die Prärie in Nebraska und Wyoming war auch die Teilung der großen Büffelherde, die auf den Great Plains zwischen Kanada und Texas umherwanderte, in eine nördliche und eine südliche Herde.
Weitere Bahnlinien durch die Prärie in Kansas folgten.
Obwohl es die Jagd auf Büffel für Fleisch und Felle schon immer gegeben hatte, brachte erst das hemmungslose Abschießen der Tiere durch professionelle Büffeljäger zwischen 1871 und 1883 diese Tierart, die einst auf bis zu 30 Millionen Tiere geschätzt wurde, an den Rand ihrer vollständigen Vernichtung. Die Jäger transportierten die Häute zu Verladebahnhöfen wie Dodge City in Kansas, von wo sie weiter nach Osten zu den Märkten gebracht wurden.
Nach dem Red River War von 1874 (aus Sicht der Indianer der «Krieg zur Rettung der Büffel») und dem Verlust ihrer Pferde, Waffen, Zelte, Vorräte und ihrer ganzen anderen Habe nach der Schlacht im Palo Duro Canyon im Texas Panhandle war es vorbei mit dem Leben als freie Büffeljäger in den Staked Plains von Texas, und die Comanchen, Kiowas, Cheyenne und Arapaho mussten sich endgültig in Reservaten im Indianerterritorium (heute Oklahoma) niederlassen.
Als es 1878 einigen Comanchen gestattet wurde, unter militärischem Begleitschutz in ihren alten Jagdgründen auf Büffeljagd zu gehen, fanden sie keine Büffel mehr, sondern nur noch weiße Knochen, die geisterhaft im Sonnenlicht glänzten. Opfer der weißen Büffeljäger. Die südliche Büffelherde, die Existenzgrundlage der Prärieindianer in den South Plains, hatte aufgehört zu existieren.
Nach dem Red River War 1874 und der Festsetzung der Comanchen und ihrer Verbündeten in Reservaten im Indianerterritorium (heute Oklahoma), war der Texas Panhandle frei für Rinderzüchter. Einer von ihnen war Charles Goodnight. Er machte sich bereits während der letzten Kämpfe zwischen frei umherstreifenden Comanchen und Kiowas und der US Army auf den Weg zum Palo Duro Canyon. Er wusste, das es am Grund des Canyons Wasser gab. Eine rare Ressource in dieser Region, aber unverzichtbar für die Rinderzucht in großem Stil. Das Land außerhalb des Canyons war zudem gutes Weideland. Goodnight fand den Canyon und gründete 1876 die erste Ranch im Panhandle von Texas. Er taufte sie JA Ranch nach seinem Geschäftspartner.
Goodnight war geschockt, als er auf dem Grund des Canyons auf Büffel stieß. Etwa 10.000 bis 12.000 Büffel hatten sich aus den Ebenen von Texas hierher gerettet. Der Rancher wusste, dass diese Wildrinder mit seinen Tieren um das Gras im Canyon konkurrieren würden. Da er sie jedoch nicht einfach abschießen wollte, trieb er sie an das hinterste Ende des Canyons, weit weg von seiner Ranch.
Aber es sprach sich schnell herum, dass auf dem Grund des Canyons noch zahlreiche Büffel lebten. Und die professionellen Büffelschlächter machten sich alsbald wieder ans Werk. Als klar wurde, dass diese „Jäger“ auch noch den letzten Büffel im Canyon töten würden, forderte Mary Ann, die Frau von Goodnight, ihren Mann auf, mit einer eigenen Büffelherde zu beginnen. Er begann mit zwei Büffelkälbern und hatte schließlich eine Herde von 250 Tieren. Die Büffelherde von Charles Goodnight war eine von nur noch fünf kleinen Herden in den Vereinigten Staaten, die das Überleben dieser Tierart sichern sollten. Die Büffelherde im Yellowstone-Nationalpark wurde aus Büffeln aufgebaut, die von der „Goodnight-Herde“ stammten.
1997 wurden 32 Tiere der „Goodnight-Herde“ an das Texas Parks and Wildlife Department verschenkt. Eine DNA-Untersuchung ergab, dass diese Büffel reinrassig waren. Sie gehörten tatsächlich zu den letzten Überlebenden der großen südlichen Büffelherde, die einst über die weiten Ebenen zog. Heute lebt die Texas State Bison Herd im Caprock Canyons State Park am östlichen Rand des Llano Estacado, etwa 100 Meilen südöstlich von Amarillo, Texas.
Es besteht die Hoffnung, dass sich die Herde weiter vermehrt und irgendwann wieder wild die Prärie durchstreifen kann. Vorläufig müssen die ca. 250 Büffel (Sommer 2019) sich noch mit 700 Morgen Weideland zufriedengeben, sollen aber in den kommenden Jahren auf den ganzen 15.000 Morgen Land des Caprock Canyons State Park weiden dürfen.