{"id":496,"date":"2020-12-13T22:15:40","date_gmt":"2020-12-13T21:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/?p=496"},"modified":"2020-12-13T22:15:59","modified_gmt":"2020-12-13T21:15:59","slug":"496-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/496-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>Das Schicksal der n\u00f6rdlichen B\u00fcffelherde<\/b><\/span><\/p>\n<p>Nach der Ausrottung der s\u00fcdlichen B\u00fcffelherde mussten sich im Fr\u00fchjahr 1879 auch die letzten J\u00e4ger in Texas nach einem neuen Bet\u00e4tigungsfeld umsehen. Das Knallen der schweren <i>Sharps Rifles<\/i> war auf den s\u00fcdlichen Plains nur noch selten zu h\u00f6ren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Viele J\u00e4ger ritten zu den n\u00f6rdlichen Ebenen am oberen Missouri, wo es angeblich noch gen\u00fcgend B\u00fcffel gab, um sie die n\u00e4chsten Jahre mit Jagen und H\u00e4uten zu besch\u00e4ftigen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auf den n\u00f6rdlichen Ebenen hatten die Indianer seit Menschengedenken B\u00fcffel gejagt. Solange sie nur f\u00fcr den Eigenbedarf jagten, hatte ihre Jagd keine merkliche Auswirkung auf die Gr\u00f6\u00dfe der B\u00fcffelherden. Sp\u00e4ter jedoch f\u00fchrte die Jagd nach Fellen f\u00fcr wei\u00dfe H\u00e4ndler zu einem verst\u00e4rkten Abschuss der Tiere mit sp\u00fcrbaren Auswirkungen auf die Bestandsgr\u00f6\u00dfe der Herden. Aber 1879 fanden professionelle wei\u00dfe J\u00e4ger noch viele lukrative Abschusspl\u00e4tze in der Region.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Friedensvertrag von Fort Laramie 1868 hatte den Sioux gute Jagdgr\u00fcnde garantiert \u201eso lange Gras w\u00e4chst und Wasser flie\u00dft.\u201c Sie sollten das Recht haben, B\u00fcffel zu jagen auf dem ganzen Land n\u00f6rdlich des Platte River und am Republican Fork des Smoky Hill River (Nebraska\/Kansas), so lange dort B\u00fcffel in solcher Zahl umherz\u00f6gen, dass die Jagd auf sie gerechtfertigt sei.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Von miteinander konkurrierenden H\u00e4ndlern erhielten die Indianer h\u00f6here Preise f\u00fcr verarbeitete B\u00fcffelroben. In den 1870er brachte eine feine Robe oft 6,\u2013 $ oder einen Krug Whisky. Zwischen 1874 und 1877 wurden j\u00e4hrlich 80.000 \u2013 100.000 B\u00fcffelfelle von Fort Benton aus auf dem Missouri verschifft. Andere gingen an die H\u00e4ndler der <i>Hudson\u2019s Bay<\/i> weiter im Norden, zusammen mit Tausenden P\u00e4ckchen Pemmikan.<\/p>\n<p>Ab 1870 wurde die <i>Northern Pacific Railroad<\/i> gebaut, die im Juni 1873 die Stadt Bismarck am Missouri erreichte. Hier \u00fcbernahm die Eisenbahn B\u00fcffelroben, die den Missouri und den Yellowstone herunter kamen. In den folgenden Jahren durchquerte die neue Bahnlinie die Pr\u00e4rie bis Glendive und Miles City, die Hauptquartiere vieler B\u00fcffelj\u00e4ger in den n\u00f6rdlichen Ebenen. Die Existenz dieser Bahnlinie ermutigte die wei\u00dfen J\u00e4ger zus\u00e4tzlich. Sie beschleunigte nicht nur den Transport der Tierh\u00e4ute zu den M\u00e4rkten, sondern machte auch das n\u00f6rdliche Jagdgebiet f\u00fcr die J\u00e4ger sicherer, indem sie wei\u00dfe Siedler ins Land brachte und die US-Armee veranlasste, besseren Schutz zu gew\u00e4hren. Die Vernichtung von General Custer und seiner Truppen am Little Bighorn im Sommer 1876 stachelte die Entschlossenheit der US-Regierung nur noch mehr an, die Indianer auf den n\u00f6rdlichen Ebenen endg\u00fcltig zu z\u00e4hmen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>H\u00e4uptling Sitting Bull war im Herbst 1877 mit 5.000 Anh\u00e4ngern nach Kanada gefl\u00fcchtet, was den Widerstand der Indianer gegen wei\u00dfe J\u00e4ger schw\u00e4chte. Einige waren bereits in den fr\u00fchen 1870er in das n\u00f6rdliche Jagdrevier gekommen. Aber obwohl sie einige hunderttausend B\u00fcffel get\u00f6tet hatten, blieben Transportschwierigkeiten und die Indianergefahr entmutigend. Nun waren die Aussichten viel besser. 1876 wurden 50.000 B\u00fcffelh\u00e4ute und Roben von Bismarck aus weitertransportiert. Noch gab es viele B\u00fcffel im S\u00fcdosten Montanas, im Nordosten Wyomings und zeitweise auch im westlichen Dakota. Reisende entlang des Yellowstone River fanden 1879 den Weg h\u00e4ufig durch gro\u00dfe B\u00fcffelherden blockiert. Im Winter und Fr\u00fchjahr 1880 wurden mehr als 200.000 B\u00fcffelfelle aus dem Dreieck zwischen Missouri, Yellowstone und Musselshell River im \u00f6stlichen Montana per Schiff abtransportiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tsommer 1880 veranlasste der permanente Druck durch wei\u00dfe J\u00e4ger in Montana eine gro\u00dfe B\u00fcffelherde nach Osten ins Dakota-Territorium abzuwandern. Es war das erste Mal seit Jahren, dass sich wieder zahlreiche B\u00fcffel in diesem Gebiet (n\u00f6rdlich der Black Hills) befanden. Diese Invasion zog nicht nur wei\u00dfe J\u00e4ger an, sondern auch Indianer in gro\u00dfer Zahl, die sich mit Fleisch, Roben und H\u00e4uten versorgen wollten. Auch in Wyoming nahm die Jagd der Indianer auf B\u00fcffel wieder zu. Bei Fort Washakie verkauften <i>Eastern Shoshone<\/i> und <i>Northern Arapaho<\/i> im Fr\u00fchjahr 1881 etwa 2.000 Roben und B\u00fcffeh\u00e4ute an wei\u00dfe Pelzh\u00e4ndler.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Berichte, dass die B\u00fcffel auf ihre fr\u00fcheren Weidegr\u00fcnde am obern Missouri zur\u00fcckgekehrt seien, waren gute Neuigkeiten f\u00fcr die Indianer in den Reservaten entlang des Flusses. Im September 1880 zogen 60 J\u00e4ger der Lakota-Sioux vom Cheyenne River-Reservat auf die B\u00fcffeljagd. Begleitet wurden sie von 40 Frauen, die das Abh\u00e4uten, Schlachten und Verpacken \u00fcbernehmen sollten, 300 Pferden und zahlreichen Hunden f\u00fcr den Transport der Jagdbeute. Am fr\u00fchen Morgen traf die Jagdgesellschaft auf eine kleine B\u00fcffelherde, die verstreut auf der Pr\u00e4rie graste. Nach kurzer Zeit hatten die Indianer 50 Tiere erlegt. Am Abend waren sie mit Fleisch und H\u00e4uten zur\u00fcck in ihrem Jagdlager. Im Winter 1880 wurden mehr als 2.000 B\u00fcffelh\u00e4ute in das Cheyenne River-Reservat gebracht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz der st\u00e4ndigen Bejagung schienen die B\u00fcffel auf den n\u00f6rdlichen Ebenen zu Beginn der Jagdsaison 1881\/82 so zahlreich wie immer zu sein. In Nord-Wyoming wurde von so vielen Tieren berichtet, dass Rancher sich Sorgen machten, ob ihre Rinder noch gen\u00fcgend Gras finden w\u00fcrden. In Ost- und Zentral-Montana waren B\u00fcffel \u00e4hnlich zahlreich. Im Tal des Rosebud River s\u00fcdlich des Yellowstone verdunkelte eine Herde von \u00fcber 50.000 Tieren das Land \u00fcber 40 Meilen. B\u00fcffelj\u00e4ger und Fellaufk\u00e4ufer sch\u00e4tzten, dass noch 1.000.000 Tiere auf den n\u00f6rdlichen Ebenen grasten, viele davon in der Region um Miles City.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Berichte \u00fcber diese B\u00fcffelherden lockten Horden weiterer J\u00e4ger in das Gebiet, bis sch\u00e4tzungsweise 5.000 wei\u00dfe J\u00e4ger neben den Indianern mit Schie\u00dfen und Abh\u00e4uten besch\u00e4ftigt waren. Die meisten jagten in dem Dreieck zwischen Missouri, Yellowstone und Musselshell, andere zwischen Powder River und Little Missouri.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-499\" src=\"https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-300x242.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-150x121.jpg 150w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-177x142.jpg 177w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-300x242.jpg 300w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-768x619.jpg 768w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-1024x826.jpg 1024w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons-1536x1238.jpg 1536w, https:\/\/viktorjuliussternbooks.de\/viktorjuliussternbooks.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/web_Bisons.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/p>\n<p>Das so r\u00fccksichtslose und weitverbreitete Abschlachten der Wildrinder machte die Jagdsaison von 1881\/82 zur erfolgreichsten in der Region. Ein einziger Fellh\u00e4ndler in Glendive verschiffte \u00fcber 250.000 H\u00e4ute in dieser Zeit. Im Juni 1882 brachte der Dampfer <i>Rosebud<\/i> 10.000 B\u00fcffelh\u00e4ute nach Bismarck. Gro\u00dfe Mengen B\u00fcffelfleisch wurden in Bismarck verkauft. Die <i>Northern Pacific Railway<\/i> transportierte von dieser Stadt 200.000 B\u00fcffelfelle nach Osten. Fast dreimal so viel wie in den Jahren davor.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber der Winter 1882\/83 war der letzte f\u00fcr die wei\u00dfen B\u00fcffelj\u00e4ger. Auf den Weiden stand nur noch ein Bruchteil der Million B\u00fcffel ein Jahr zuvor. Vielleicht die gr\u00f6\u00dfte Herde, gesch\u00e4tzte 75.000 Tiere, hatte sich grasend nach Norden bewegt und den Yellowstone River \u00fcberquert, umgeben von einem Ring von wei\u00dfen und roten J\u00e4gern, die die Gr\u00f6\u00dfe der Herde best\u00e4ndig reduzierten. Kleinere Herden wurden in West-Montana gesichtet. Zwischen den Bergen und dem Kordon von J\u00e4gern sa\u00dfen die B\u00fcffel in der Falle, aus der nur wenige in den kanadischen Nordwesten entkamen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Mitte 1883 waren fast alle B\u00fcffel verschwunden. Einige J\u00e4ger vermuteten, dass sie nach Kanada abgewandert w\u00e4ren. Aber dem war nicht so. Die B\u00fcffel in Kanada waren noch vor denen in den USA ausgerottet worden. Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe, die noch existierte, war eine Herde von 1.000-1.100 B\u00fcffeln im Westen Dakotas. Das war alles, was von einer Herde von 10.000 Tieren \u00fcbrig geblieben war, die hier noch 1882 gegrast hatte. Im Oktober 1883 weideten die Tiere zwischen Bismarck und den Black Hills. Dann kamen H\u00e4uptling Sitting Bull und 1.000 seiner Krieger aus dem Standing Rock-Reservat und erlegten sie alle. Es war die letzte B\u00fcffeljagd der Sioux.<\/p>\n<p>Im Herbst 1883 zogen einige der wei\u00dfen J\u00e4ger wieder los, aber sie fanden keine B\u00fcffel mehr. Es gab noch einige Hundert in und um den Yellowstone-Nationalpark, ein paar kleine Gruppen in gesch\u00fctzten Schluchten und gelegentlich einen einsamen wandernden Bullen in den Bergen. Mit Ausnahme dieser Exemplare waren die B\u00fcffel, die einst zwischen 60 und 70 Millionen gez\u00e4hlt hatten, verschwunden. Tausende Longhorns aus Texas kamen nun auf die Weiden, die einst den B\u00fcffeln geh\u00f6rt hatten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schicksal der n\u00f6rdlichen B\u00fcffelherde Nach der Ausrottung der s\u00fcdlichen B\u00fcffelherde mussten sich im Fr\u00fchjahr 1879 auch die letzten J\u00e4ger in Texas nach einem neuen Bet\u00e4tigungsfeld umsehen. 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